Weitere Integrationserfolgsgeschichten gewünscht
Im Jahr 2019, als Dekanat Kronberg und Bistum Limburg diese Webseite konzipierten, wurde eine Kategorie für die Veröffentlichung von Erfolgsgeschichten erstellt. Die Idee war, dass die Flüchtlingsarbeitsgruppen in den Gemeinden ihre Zeit, Energie, finanzielle und emotionale Investitionen in Flüchtlinge würdigen könnten, die Sprachnachweise erhalten, Studien- oder Ausbildungsplätze bekamen oder eine zufriedenstellende Arbeit gefunden haben.
Wir möchten nun auch Flüchtlinge und Migranten einladen, ihre Erfolgsgeschichten bei der Integration zu erzählen. Natürlich bedeutet Integration mehr als nur verständliches Deutsch zu sprechen und Steuern auf die Arbeit zu zahlen. Daher kann jede Person ihre Geschichte auf die für sie geeignete Weise erzählen und dabei dieser Gliederung folgen:
1. Deine persönliche Geschichte. Wie hast Du deinen bisherigen Weg zur Integration gefunden?
2. Was hat Dir besonders geholfen? Wie hast Du Hindernisse überwunden?
3. Was würdest Du neu angekommenen Menschen empfehlen oder raten, um sich schneller zu integrieren und um Fehlstarts und falsche Erwartungen zu vermeiden?
Die Geschichten können von Geflüchteten sein und auch von Migranten, umgezogenen PartnerInnen usw: d.h. Deine Geschichte sowie die Geschichten von Familienangehörigen, Freunden und Bekannten. Deine Geschichte kann auf Deutsch oder Deine Muttersprache verfasst sein. Das Website-Team bestehend aus Martina Bickmann, Susanne Schuhmacher-Godemann und mir wird Deine Geschichte mit Deiner Erlaubnis überarbeiten, um sie für die Website besser geeignet zu machen.
Du kannst Deinen Entwurf an mich senden oder weitere Informationen/Klarstellungen unter Alan.Pashkevich(at)gmail.com anfordern. Am liebsten sollte die Geschichte weniger als 600 Worte sein.
Als Muster für Deine Geschichte folgt meine Integrationsgeschichte. Weitere Geschichten findest Du auf https://www.fluechtlinge-mtk.de/erfolgsgeschichten/.
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Im Jahr 2011 kam ich mit meiner Familie nach Deutschland, nachdem wir aus dem Nahen Osten evakuiert worden waren, wo wir zwanzig Jahre lang gelebt hatten und das Land zunehmend in einen Bürgerkrieg abglitt. Meine deutsche Frau fand eine Arbeitsstelle, wobei sie jedoch zu wenig verdiente, um alle unsere Bedarfe zu decken. Unsere Kinder beherrschten die deutsche Sprache nicht gut genug, um erfolgreich das deutsche Schulsystem zu durchlaufen und später studieren zu können. Also musste ich Arbeit finden, um eine internationale Schule finanzieren zu können. Mein Deutsch bezeichnete ich damals scherzhaft als „Gartenparty-Deutsch“, denn mehr hatte ich bis dahin nicht gelernt.
Im Rahmen meiner Arbeitssuche besuchte ich das Jobcenter. Dort wurde mir gesagt, mein Deutsch sei unzureichend, meine Berufserfahrung passe nicht zum deutschen Arbeitsmarkt, und mein Abschluss einer renommierten amerikanischen Universität werde möglicherweise nur teilweise oder gar nicht anerkannt. Ich war damals 55 Jahre alt und musste erkennen, dass ich in meinem Beruf als Ingenieur kaum Chancen hatte, eine Stelle zu finden.
Nachdem ich meine anfängliche Enttäuschung überwunden hatte, besuchte ich einen geförderten Integrationskurs, um meine Deutschkenntnisse zu verbessern. Parallel dazu lernte ich mit Hilfe von kostenlosen Online-Sprachkursen. Zudem versuchte ich, im Alltag so viel Deutsch wie möglich zu sprechen – mit Nachbarn, beim Einkaufen, bei Veranstaltungen der Kirche und Gemeinde sowie bei den Familientreffen mit den Verwandten meiner Frau.
Bekannte rieten mir, berufliche Möglichkeiten außerhalb des Ingenieurwesens in Betracht zu ziehen. So bewarb ich mich als Englischlehrer an der VHS und war erfolgreich. Zunächst erhielt ich eine Klasse, nach und nach kamen weitere Kurse hinzu. Das Unterrichten von Deutschen und anderen Europäern gab mir die Gelegenheit, ihnen Fragen über ihre Kultur und ihre Sicht auf die Welt zu stellen. Gleichzeitig erweiterte ich selbst meinen deutschen Wortschatz, wenn meine Teilnehmenden nach Ausdrücken suchten.
Da ich Arabisch sprach, meldete ich mich zu Beginn der Flüchtlingswelle 2015 als ehrenamtlicher Übersetzer. Übersetzen bedeutete oft auch Begleiten und gemeinsames Problemlösen. Als soziale Organisationen 2016 begannen, Personal für die Flüchtlingsarbeit einzustellen, hatte ich durch meine Freiwilligenarbeit bereits Erfahrung und Qualifikationen gesammelt. Bis zu meiner Pensionierung 2023 arbeitete ich kontinuierlich in verschiedenen Positionen mit Geflüchteten und seitdem engagiere ich mich weiterhin ehrenamtlich.
Was hat mir geholfen, in Deutschland Fuß zu fassen?
- Ich habe aktiv versucht, Deutsch zu lernen – durch einen Integrationskurs und Online-Kurse sowie durch tägliches Üben.
- Ich habe akzeptiert, dass ich meinen früheren Beruf nicht weiter ausüben konnte, und vorherige Erwartungen losgelassen.
- Ich habe meine Fähigkeiten analysiert und geprüft, welche in Deutschland gefragt sein könnten. Anschließend habe ich gezielt nach Stellen gesucht, in denen ich diese Fähigkeiten einsetzen konnte.
- Anderen zu helfen gab mir das Gefühl, gebraucht zu werden und integriert zu sein.
- Menschen in meinem Umfeld haben mich ermutigt.
- In meinem Fall hat mir die Ehe mit einer Deutschen geholfen, die Sprache zu üben und natürliche Kontakte zu knüpfen.
Was würde ich Menschen empfehlen, die neu in Deutschland sind?
- Konzentriert euch im ersten Jahr in Deutschland vorrangig auf das Erlernen der Sprache. Bessere Sprachkenntnisse ermöglichen euch später bessere Jobs und ein höheres Gehalt.
- Nutzt die Zeit bis zum Integrationskurs, um online Deutsch zu lernen.
- Knüpft Kontakte zu Deutschen. Nehmt aktiv an Veranstaltungen von Flüchtlingsinitiativen und ähnlichen Gruppen teil, um Deutsch zu üben und zu lernen, wie Dinge in Deutschland funktionieren.
- Verbringt Zeit mit aufmunternden und positiven Menschen.
- Nutzt kostenlose Angebote für berufliche Qualifizierung, Trauma- und medizinische Beratung, unabhängige Beratungsstellen usw.
