Integrationsgeschichte von einer orientalischen Frau, die als Kind nach Deutschland kam

Im Jahr 1982 kam ich mit meiner Mama und meinen zwei älteren Schwestern nach Deutschland. Mein Vater lebte bereits hier und arbeitete auf einer AirBase. Ich war gerade 4 Jahre alt, meine Schwestern waren 7 und 10 Jahre alt. Wir alle sprachen kein Deutsch – nur Englisch und Urdu – und unsere Eltern konnten ebenfalls kein Deutsch. Mein Vater musste aufgrund seiner Arbeit nicht Deutsch sprechen, also war die Sprache für uns alle neu und fremd.

Kurz nach unserer Ankunft wurden bei uns Kindern unsere Fähigkeiten getestet, um herauszufinden, in welche Klassenstufe wir eingestuft werden sollten. Ich kam in den Kindergarten, meine Schwestern in die 2. und 4. Klasse. Die Lehrerinnen und Lehrer erklärten unseren Eltern, dass wir zu Hause möglichst nur noch Deutsch sprechen sollten. Mein Vater legte uns Kindern zusätzlich nahe, uns untereinander auf Deutsch zu verständigen. Das war eine große Umstellung – plötzlich durften wir nicht mehr wie gewohnt Urdu miteinander sprechen, und Englisch half uns auch nicht weiter.

Die ersten Wochen waren überwältigend. Ich erinnere mich, wie ich im Kindergarten oft stumm dasaß, die anderen Kinder beobachtete und versuchte, Wörter aufzuschnappen. Manchmal verstand ich gar nichts, fühlte mich hilflos oder ausgeschlossen. Meine Schwestern hatten es in der Schule nicht einfacher: Sie kämpften mit Aufgaben, die sie in einer Sprache lösen mussten, die sie noch nicht beherrschten, und fühlten sich oft frustriert.

Was mir half, war das ständige Üben und Ausprobieren. Ich sprach so viel Deutsch wie möglich – mit den Lehrerinnen, den Kindern auf dem Spielplatz, später auch mit Nachbarn. Fehler waren normal, aber ich merkte: Jede kleine Unterhaltung machte mich sicherer. Meine Eltern konnten zwar selbst kein Deutsch, aber sie ermutigten uns immer, dranzubleiben. Sie machten uns deutlich: Wir müssen die Sprache lernen, wenn wir hier erfolgreich sein wollen.

Langsam, aber sicher begann ich, mich zurechtzufinden. Ich verstand Witze, konnte Geschichten erzählen und fühlte mich allmählich nicht mehr so fremd. Meine Schwestern verbesserten sich ebenfalls, und wir lernten, dass Geduld, Ausdauer und das Vertrauen aufeinander uns halfen, diese Herausforderung zu meistern. Mit der Zeit wurde Deutsch so selbstverständlich wie Urdu oder Englisch – und es öffnete uns Türen, die uns vorher verschlossen geblieben wären.

Was mir half, in Deutschland Fuß zu fassen, war vor allem:

  • Tägliches Üben der Sprache – sei es im Kindergarten, in der Schule oder beim Spielen mit anderen Kindern. Jede Unterhaltung auf Deutsch war eine Chance zu lernen.
  • Konsequente Motivation der Eltern – auch wenn sie selbst kein Deutsch konnten, haben sie uns ermutigt, Deutsch zu sprechen und unsere neue Umgebung aktiv zu entdecken.
  • Geduld und Ausdauer – Fehler zu machen war normal, und jeder kleine Fortschritt zählte.
  • Unterstützung durch die Schule – die Lehrerinnen und Lehrer waren geduldig, erklärten Aufgaben mehrfach und halfen uns, Schritt für Schritt mitzuhalten.
  • Selbstvertrauen entwickeln – je mehr wir Deutsch sprachen, desto sicherer wurden wir im Alltag und in der Schule.

Rückblickend würde ich jedem, der neu nach Deutschland kommt, folgende Ratschläge geben:

  • Lernt die Sprache so früh und so intensiv wie möglich – sie ist der Schlüssel, um Schule, Arbeit und Alltag zu meistern.
  • Sprecht Deutsch, wo immer es geht – auch wenn Fehler passieren. Jeder Versuch bringt Fortschritt.
  • Seid geduldig – Integration passiert Schritt für Schritt, nicht von heute auf morgen.
  • Sucht euch Menschen, die euch unterstützen und ermutigen – Familie, Nachbarn, Lehrkräfte, Vereine.
  • Bleibt neugierig – jede neue Erfahrung ist eine Chance zu lernen, die Kultur zu verstehen und selbstbewusst zu werden.

Dank dieser Erfahrungen konnte ich langsam in Deutschland ankommen. Ich lernte nicht nur die Sprache, sondern auch, mich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden, Freundschaften zu schließen und Schritt für Schritt ein Leben in meiner neuen Heimat aufzubauen.

Diese frühen Erfahrungen legten den Grundstein für mein späteres Berufsleben. Ich habe nie aufgehört zu lernen und mich weiterzuentwickeln. Nach meiner Ausbildung zur Bankkauffrau, absolvierte ich das Bankfachwirt-Studium an der Bankakademie Frankfurt/M., um mein Fachwissen zu vertiefen. Schon damals war es mir wichtig, meine Fähigkeiten gezielt einzusetzen und zu erweitern.

Im Laufe der Jahre habe ich meine Qualifikationen konsequent ausgebaut:

  • Trainer-Ausbildung um Menschen gezielt zu begleiten und Wissen zu vermitteln
  • Ausbildereignungsprüfung IHK  – um als Ausbilderin tätig sein zu können
  • Green-Belt-Zertifizierung Six Sigma – für systematische Prozessoptimierung
  • Systemische Beraterin, Coach & Organisationsentwicklerin, isb Wiesloch um Teams, Organisationen und Einzelpersonen professionell zu unterstützen
  • Master Group, isb Wiesloch zur Vertiefung meiner Expertise
  • Aktuell: Studium Betriebswirtin (SGD-Fernschule) – um meine Kenntnisse in Betriebswirtschaft weiter auszubauen

Diese kontinuierliche Weiterbildung zeigt, wie stark ich mich nicht nur sprachlich, sondern auch beruflich in Deutschland integriert habe. Ich habe Chancen genutzt, mich neuen Herausforderungen gestellt und dabei Fähigkeiten entwickelt, die in Deutschland gefragt sind.

Iram Mirza, Pakistan